Erzieher und Erzieherinnen sind gefragt:  Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ist seit 2013 Gesetz – und sorgt für große Nachfrage nach ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern. Das ist auch in Berlin mit seiner traditionell guten Betreuungsstruktur nicht anders.

Auf der anderen Seite ist die Erzieherausbildung aus organisatorischen Gründen gerade für Erwachsene oft eine große Hürde.
Diese Situation war wie geschaffen, um im Modellprojekt EGA („Erwachsenengerechte Ausbildung“) eine Lösung zu finden: Bei diesem Programm geht es darum, Erwachsenen die Ausbildung in einem Beruf mit Zukunft zu ermöglichen. Und so begleitet EGA II seit April junge Berliner Erwachsene zwischen 25 und 40 auf dem Weg zum Berufsabschluss als Erzieherin oder Erzieher.

 Erzieherausbildung: besonders für Erwachsene mit Hürden

Erwachsene, die sich zum Erzieher oder zur Erzieherin ausbilden lassen wollen, müssen dabei meist beträchtliche Hindernisse überwinden. Im Prinzip haben sie drei Möglichkeiten:

  1. eine berufsbegleitende Ausbildung – diese dauert drei Jahre, parallel zum Besuch einer anerkannten Fachschule wird in einer Kita gearbeitet. Allerdings muss sich erst einmal eine Einrichtung finden, die sich darauf einlässt: Sie muss die Kandidaten meist an zwei Schultagen pro Woche abstellen. Gleichzeitig werden sie auf den Stellenschlüssel angerechnet.
  2. die Vollzeitausbildung an einer Fachschule – diese dauert mit Praktika ebenfalls drei Jahre, die man finanziell überbrücken muss
  3. die sogenannte „Nichtschülerprüfung“, eine externe Prüfung, die nur Kandidaten mit bestimmten Qualifikationen und praktischer sozialpädagogischer Berufserfahrung offen steht. In diesem Fall kann die Prüfungsvorbereitung in eigener Regie oder in einem Vorbereitungskurs erfolgen.

Für Menschen mit Anspruch auf Leistungen nach SGB III kommt nur die Nichtschülerprüfung in Frage, denn nur dieser Weg ist auf zwei Jahre beschränkt – und kann damit durch einen Bildungsgutschein vom Jobcenter abgedeckt werden. Allerdings handhabt die für das Erziehungswesen zuständige Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft die Zulassung zur Nichtschülerprüfung recht restriktiv, weil sie auf die Praxiserfahrung als Voraussetzung pocht.

Lösung: Erzieherausbildung „à la EGA“

Den Weg aus diesem Dilemma bietet im Rahmen von EGA die 3-jährige praxisorientierte Erzieher-Ausbildung – eine Kombination aus Bildungsgutschein und berufsbegleitender Ausbildung. Darauf verständigten sich die beteiligte Partner der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, des Sozialpädagogischen Instituts Berlin „Walter May“ und des Jobcenters Berlin Friedrichshain-Kreuzberg.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer von EGA II, die den Erzieherberuf erlernen, erhalten zunächst für die ersten beiden Jahre einen Bildungsgutschein vom Jobcenter. Nur für das dritte Jahr zahlt „ihre“ Kita, in der sie lernen und arbeiten, ein Gehalt. Im Gegenzug werden die angehenden Erzieherinnen und Erzieher für die Dauer der drei Jahre an Schultagen abgestellt.

Vorteile für die Kitas

Diese Konstruktion hat auch für die teilnehmenden Kitas besondere Vorteile:

  • die EGA-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer werden in den ersten beiden Jahren als Praktikanten eingestuft und nicht auf den Stellenschlüssel der Einrichtung angerechnet.
  • Die Kitas müssen keine Betreuer einsetzen. Die fachliche Betreuung erfolgt durch den EGA-Ausbildungspartner, das Sozialpädagogische Institut Berlin „Walter May“.
  • • Hinzu kommt das umfangreiche individuelle EGA-Unterstützungsmanagement. Es bietet zum Beispiel persönliches Coaching und Deutschunterricht, fängt Konflikte auf, kompensiert Defizite und stabilisiert die Integration in Kita und Fachschule.
Fazit aus Sicht des EGA-Projektmanagements

Die kreative und vor allem effektive Konstruktion der EGA-Erzieherausbildung ist etwas, auf das wir durchaus ein wenig stolz sind. Schön ist auch, dass wir auf diese Weise mehrere junge Männer auf den Weg zum Erzieherabschluss gebracht haben – einem Berufsfeld, in dem Männer nach wie vor unterrepräsentiert sind.
Der Andrang war groß: 40 Kandidatinnen und Kandidaten sind insgesamt gestartet, 25 davon bereits in Ausbildung. Für jeden von ihnen muss die Zusage eines Kitaträgers her. Das zu koordinieren war für die mit der Koordinierung betraute Comhard GmbH recht aufwändig.
Aber der Erfolg bestätigt das Modell. Sowohl das Interesse der Teilnehmer als auch die positive Reaktion der Kitaträger zeigt, dass diese Ausbildungsform Potenzial hat und auf einen echten Bedarf trifft. Schließlich geht es darum, junge Erwachsene mit Lebensperspektive auszustatten. Oder um Stephan Felisiak zu zitieren, den Geschäftsführer des Jobcenters Friedrichshain-Kreuzberg:

„Was spricht dagegen, Ausbildungsplätze an junge Erwachsene, auch mit Mitte dreißig, zu vergeben? Die Praxiserfahrung dieser Auszubildenden ist unschätzbar. Unser Ziel ist es, diese Menschen so zu qualifizieren, dass sie dem Arbeitsmarkt künftig als Fachkräfte zur Verfügung stehen.“