„Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiter gehen!“ – das gibt Mentalcoach Heike Burmester ihren Schützlingen mit auf den Weg. Sie ist einer der Coaches im Berliner Ausbildungsprojekt „Erwachsenengerechte Ausbildung“ (kurz: EGA) und begleitet Teilnehmende auf ihrem Weg zu einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Das von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen geförderte Coaching- und Nachhilfeangebot gilt als einer der Erfolgsfaktoren des Projekts, welches 2014 zum zweiten Mal gestartet ist. Das Ziel: jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss eine neue berufliche Chance zu geben. Arbeitslose im Alter von 25 bis 40 Jahren erhalten ihre individuelle Chance, sich zielgerichtet ausbilden oder umschulen zu lassen und sich somit für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren.

Es zeigt sich, dass Ausbildungen in den letzten Jahren häufig nicht zu Ende geführt werden. In Deutschland wurde laut Berufsbildungsbericht 2016 nahezu jede vierte Lehre abgebrochen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft spielt das soziale Umfeld eine große Rolle oder eine von Unruhe geprägte Biografie. Bei vielen Problemen können unterschiedliche Unterstützungsangebote helfen. Deshalb wird dieser Aspekt während der Ausbildung im Rahmen des Projekts EGA besonders intensiv betrachtet.

Portraet Heike Burmester (Foto: Nicole Doge)

Heike Burmester, Coach im Projekt EGA (Foto: Nicole Doge)

Dank der Förderung durch das Land kommen die Angebote bedarfsgerecht jedem Teilnehmenden zugute. Das Unterstützungsmanagement reicht von Einzelförderung in Deutsch oder Mathematik, über die Bereitstellung multimedialer Lerninhalte bis zu einem individuellen sozialen Coaching. Damit gelingt es, die Abbrecherquoten so gering wie möglich zu halten. Der Grund: Das Coaching sorgt für Stabilität während der gesamten Ausbildungszeit, motiviert die Auszubildenden und lässt die Auszubildenden mit persönlichen aber auch beruflichen Herausforderungen nicht alleine. Heike Burmester spricht von einem „Netz, in das sich die Teilnehmenden bei psychischen Unpässlichkeiten hineinfallen lassen können und aufgefangen werden.“ Viele Teilnehmende müssten nach längeren Phasen von Problemen und Arbeitslosigkeit erst wieder „Leben lernen“ mit allen Rechten und Pflichten, berichtet der Coach. Sie erarbeitet dafür mit den Teilnehmenden konkrete Wünsche und Ziele und überlegt gemeinsam, mit welcher Strategie diese erreicht werden können. „Angriff – Flucht – tot stellen: Das ist häufig die Reaktion auf Stresssituationen“, hat Heike Burmester schon häufig beobachtet. Dann hilft sie den Teilnehmenden dabei, einen eigenverantwortlichen Umgang mit diesen persönlichen Schwierigkeiten zu finden.

Das kann Heike Burmester auf Augenhöhe tun. Auch sie hat in einem Abschnitt ihres Lebens besondere Hilfe in Anspruch genommen als sie alkoholabhängig und wohnungslos war. Das ist mittlerweile über 25 Jahre her. Seitdem hat sie sich in den Bereichen Mental- und Hypnosecoaching, Persönlichkeitsentwicklung, Training, Ausbildung und als Autorin einen Namen gemacht (www.mentalcoaching-burmester.de) und steht nachfolgend Rede und Antwort.

1. Was ist das Besondere an dem Ausbildungsprojekt „Erwachsenengerechte Ausbildung“?

Heike Burmester: „Auch wenn Teilnehmende mit eher suboptimalen Voraussetzungen ins Berufsleben starten wollen, bekommen sie die Möglichkeit, eine Ausbildung abzuschließen. Damit entwickeln sie ihre Persönlichkeit und können persönliche Schwierigkeiten besser bewältigen. Sie übernehmen wieder Verantwortung für ihr Leben.“

2. Was ist Ihre Motivation als Coach bei dem Projekt mitzuwirken?

HB: „Ich habe im Laufe des Lebens aus eigener Erfahrung festgestellt, dass es sich lohnt, für sein Ziel zu kämpfen und vermeintliche Niederlagen als Chance zu erkennen – und zu nutzen. Diese Erfolge motivieren auch die Teilnehmenden!“

3. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in der Zusammenarbeit mit den Teilnehmenden?

HB: „Viele private Probleme, die oft auf ein Thema hinauslaufen: fehlendes Vertrauen. Die Bildung von Vertrauen ist unerlässlich, wenn wir in der Umschulungszeit persönliche Schwierigkeiten minimieren und einen positiven Start in die neue berufliche Zukunft erreichen wollen. Das Coaching dient als ‚Anker‘, an dem sich die Teilnehmenden festhalten können, wenn die Motivation einbricht oder andere Schwierigkeiten unlösbar erscheinen.“

4. Welcher Teilnehmende ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

HB: „Es gab einen Teilnehmenden mit panischer Zahnarztangst, die durch den „Mut zur Lücke“ an vielen Stellen des Gebisses sichtbar wurde. Ich vermittelte dem Teilnehmenden eine Entspannungstechnik zur Minimierung seiner Angst und begleitete ihn bei seinem ersten Zahnarztbesuch. Nach zwei Jahren mit vielen OPs und Zahnersatz hat der Teilnehmende sein Selbstwertgefühl erhöht. Er wurde motiviert, auch seine beruflichen Ziele zu erreichen. Beim Abschlussgespräch sagte er: ‚Alles erreicht, inklusive der Komplettsanierung des Esszimmers.‘“

1 Quelle: Berufsbildungsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (01.04.2016): https://www.bmbf.de/pub/Berufsbildungsbericht_2016.pdf

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