Die Metallinnung Berlin ist EGA-Ausbildungspartner. Wir haben den Leiter der Innungsschule, Herrn Detlef Pohl, zu seinen Erfahrungen mit EGA Berlin und seiner Sicht auf die Ausbildungslandschaft generell befragt.

Herr Pohl, die Metallinnung ist schon seit dem Start von EGA 2013 mit im Boot. Was für einen Abschluss erwerben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Ihrer Innungsfachschule beim Ostbahnhof?

Nach der 27 Monate dauernden Umschulung bei uns erwerben die Teilnehmer der EGA-Maßnahmen bei erfolgreichem Abschluss den Gesellenbrief im Beruf Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik.

Welche Gründe haben Sie bewogen, Ausbildungspartner im Rahmen von EGA zu werden? Was zeichnet das Projekt aus Ihrer Sicht aus?

Viele Unternehmen des Metallhandwerks suchen geeigneten Nachwuchs. In den letzten Jahren wurde es immer schwieriger, passende Bewerber für eine duale Ausbildung in unserem Handwerk zu begeistern und dann auch zu binden.

Im Projekt EGA werden die Teilnehmer durch eine vorgeschaltete Projektphase sehr gut auf die spätere Umschulung, auf Anforderungen und Erwartungen der Akteure, vorbereitet. In praktischen Erprobungsphasen besteht die Möglichkeit, unterschiedliche Berufsfelder kennenzulernen und praktisch zu erleben. Dadurch bietet sich die Chance, die Berufsrealität und berufliche Möglichkeiten bereits im Vorfeld zu zeigen und unmittelbar erlebbar zu machen. Das eröffnet für die Teilnehmer eine klar definierte Perspektive und damit die Möglichkeit, die Umschulung mit hoher Motivation zu meistern. Man weiß einfach, auf was man sich einlässt.

Wenn man dann auch noch, wie hier im Projekt EGA, jungen Menschen von 25 – 40 Jahren die Möglichkeit eröffnet, einen Berufsabschluss zu erwerben, ist das für die Betriebe ein neuer Weg der Nachwuchsgewinnung. Damit wird den Teilnehmern eine sehr gute Perspektive geboten, jeder kann sich persönlich entwickeln und neue Perspektiven für sich eröffnen. Für mich persönlich ist das eine gesamtgesellschaftliche Chance.

Viele Wirtschaftsverbände weisen regelmäßig darauf hin, dass sie zu wenige geeignete Bewerber finden, trotz der großen Zahl an Schulabgängern ohne Ausbildungsplatz. Wie ist die Ausbildungssituation in der Metall- und Kunststofftechnik – leiden Sie unter dem demographischen Wandel und hohen Abbrecherquoten?

Die ausbildenden Unternehmen beklagen, dass die Klientel der Bewerber den Anforderungen der betrieblichen Realität zunehmend weniger entspricht. In den Betrieben gehen Bewerbungen ein mit Zeugnissen, die oft durchweg schlechte Noten enthalten, in den viele unentschuldigte Fehlzeiten vermerkt sind, denen zufolge Verspätungen im Schulunterricht die Regel waren. Die Betriebe sehen sich nicht imstande, derart grundlegende Kompetenzen im Rahmen der Ausbildung nachhaltig anforderungsgerecht nachzuprägen.

Deshalb müssen Möglichkeiten geschaffen werden, um die Jugendlichen auf die Anforderungen einer Ausbildung vorzubereiten. Das ermöglicht es den Betrieben, sich dann wieder auf die Vermittlung beruflicher Fertigkeiten und Kenntnisse zu konzentrieren. Es darf nicht sein, dass der Fokus vor allem zu Beginn der Ausbildung auf die Vermittlung notwendiger Sozialkompetenzen gelegt werden muss.

Weiterhin müssen wir auch ein zunehmend schwächeres Durchhaltevermögen feststellen. Viele Auszubildende brechen ihre Ausbildung wieder ab, und das nicht mehr nur zu Beginn der Ausbildung, sondern – zumindest gefühlt – zunehmend auch in den letzten Ausbildungsjahren. Diese Tendenz muss zwingend gestoppt werden, denn eine Abbrecher- und Nichtbesteherquote von bis zu 40 % in der gesamten Ausbildung kann langfristig einfach nicht tragbar sein.

Ist die Ausbildung von jungen Erwachsenen ein Weg, um die Ausbildungsmarktsituation im Bereich der Metall- und Kunststofftechnik zu verbessern?

Wie bereits geschildert: Ja.

Gelegentlich stößt man auf Vorbehalte, wenn Vertreter der Wirtschaft zum ersten Mal vom EGA-Konzept hören – schließlich kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Jobcenter. Wie sind Ihre Erfahrungen mit diesen Auszubildenden?

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Akteure am Ausbildungsmarkt im Metallhandwerk sich auf neue Ansätze der Nachwuchsgewinnung durchaus einlassen und offen für neue Angebote sind. Wichtig ist aber, dass man die Unternehmer durch den persönlichen Kontakt ein Stück weit „aufschließt“ und von der Notwendigkeit, sich auf eine neue und andere Klientel einzulassen, überzeugt.

Durch ein hohes Maß an persönlichem Einsatz und viel Motivationsvermögen, verbunden mit unmittelbarem und direktem Kontakt, kann man den Weg für die Teilnehmer erfolgreich ebnen. Die Nähe der Innung zu den betrieblichen Partnern schafft einen Vertrauensvorteil, der es gut ermöglicht, diesen Ausbildungsansatz mit Leben zu füllen und erfolgreich zu gestalten.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Unterstützungsangeboten, die bei EGA die eigentliche Ausbildung komplettieren, also mit der Arbeit der Coaches und der fachlichen Nachhilfe?

Die direkte Betreuung und Unterstützung der Teilnehmer im Rahmen des EGA-Programms ist ein wesentlicher Vorteil der Umschulung. Die individuelle Förderung ermöglicht den sehr heterogenen Teilnehmern, die eigenen Voraussetzungen dem Bedarf anzupassen, vornehmlich durch fachliches Unterstützungsmanagement.

Das gilt insbesondere auch für die Zielgruppe der 25 – 40jährigen. Lernen will wieder gelernt sein und Ziele müssen kleinteilig fixiert und erreichbar sein. So besteht die Möglichkeit, dass sich eine positive Motivation entwickelt, die bisher durch schlechte Erfahrungen in der vorherigen Bildungsgeschichte vielleicht im Hintergrund blieb.

Zusätzlich bietet die unmittelbare Unterstützung der Teilnehmer durch den Coach die Möglichkeit, auch sehr individuelle Probleme zu lösen und die Ausbildung positiv zu begleiten. Der Coach kann ja auch in privaten Belangen Ansprechpartner und Problemlöser für ganz unterschiedliche Hemmnisse sein.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die individuellen Schwierigkeiten sehr unterschiedlich und vielfältig sein können. Sie zeigen aber auch, dass Unterstützung im „Dschungel der Möglichkeiten“ gern angenommen wird. Erfolgsbestimmend sind dafür der direkte Kontakt und ein sehr vertrauensvolles Verhältnis der Akteure. Wir haben in dieser Hinsicht bisher nur positive Erfahrungen gemacht.

Sie sind seit langen Jahren Ausbilder und schon seit sieben Jahren Schulleiter der Fachschule der Berliner Innung für Metall- und Kunststofftechnik. Wie hat sich die Berufsausbildung in dieser Zeit verändert und was erwarten Sie von der Zukunft?

Ich bin seit über 15 Jahren in der beruflichen Bildung tätig, durfte meine ersten Erfahrungen über mehrere Jahre in der Berufsvorbereitung junger Menschen sammeln und habe dann unmittelbar in der Berufsausbildung gewirkt. Nun bin ich seit einigen Jahren als Schulleiter der Fachschule tätig.

Die Anforderungen sind gestiegen, sowohl an die Jugendlichen als auch an die Ausbildenden. Berufsbilder haben sich verändert und verlangen mehr von den Akteuren. Die Spezialisierung vieler Ausbildungsbetriebe schreitet voran, dadurch geht der umfassende Blick für alle Facetten der Anforderungen an eine umfassende Ausbildung im Beruf manchmal etwas verloren. Die Bedeutung von Kooperationen im Rahmen von Ausbildung nimmt stark zu, um im Verbund umfassende berufliche Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln zu können.

Aktuell und auch schon seit einiger Zeit lassen sich viele junge Menschen von handwerklichen Berufen nicht mehr sehr beeindrucken. Oft fehlen innerfamiliäre Vorbilder, in der Lebenswirklichkeit vieler Jugendlicher kommt Handwerk nicht mehr vor. Viele Leistungen werden im privaten Umfeld heute nur noch eingekauft und nicht mehr selbst erbracht – das beginnt schon mit der Reparatur eines platten Fahrradreifens. Viele „werkeln“ nicht mehr, kennen Bohrmaschine und Akkuschrauber nur aus dem Baumarkt.

Vor diesen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist eine handwerkliche Ausbildung aus Sicht vieler Jugendlichen nicht attraktiv. Das wird sich zukünftig aber wieder verändern. Der Stellenwert des Handwerks wird in den Bereichen, die nicht unmittelbar durch industrielle Fertigung abgedeckt werden können, wieder zunehmen. Es ist ein deutlicher gesamtgesellschaftlicher Sinneswandel zu spüren wieder hin zu mehr handwerklichen Leistungen und zusätzlich zu regionaler Ausrichtung.

Individuelle Gestaltung und nachhaltige Nutzung schlagen wieder Wurzeln. Dadurch wird auch das Bewusstsein für eine langfristige Produktnutzung gefördert, das wird am Markt der Fertigung wie auch der Reparaturen zu spüren sein. Die Aussichten sind aus meiner Sicht viel positiver als viele denken.

Detlef PohlDipl. Wirtschaftsingenieur (FH) Detlef Pohl leitet seit 2008 die Fachschule der Berliner Innung für Metall- und Kunststofftechnik und ist in dieser Funktion federführend zuständig für die Fachausbildung zum/zur Metallbauer/in im Rahmen von EGA Berlin.