Vor einem Jahr ist unser Modellprojekt „Erwachsenengerechte Ausbildung“ gestartet. Unser Zwischenfazit: Ein großer Teil unserer Teilnehmer ist auf einem sehr guten Weg. Das Konzept funktioniert.

Das gilt für beide „EGA-Besonderheiten“:

  1. der eigentlichen Ausbildung ist ein Auswahlverfahren und eine dreimonatige Vorbereitungsphase vorgeschaltet
  2. je nach individuellem Bedarf werden die Teilnehmer durch Einzelcoaching und fachliche Nachhilfe unterstützt

Das Projekt „Erwachsenengerechte Ausbildung“ (EGA 2013) kurz dargestellt:
  • Erwachsene zwischen 25 und 40 erwerben einen anerkannten Berufsabschluss in einem von acht Berufen. Die Ausbildungsdauer ist verkürzt.
  • Die Teilnehmer durchlaufen vier Stufen: Auswahlverfahren, Vorbereitungsphase, theoretischer und dualer Teil der Ausbildung, am Ende folgt noch eine Nachbetreuung.
  • Parallel gibt es ein durchgehendes Unterstützungsangebot aus persönlichem Coaching und fachlicher Nachhilfe.
  • Beteiligt sind vier Jobcenter (Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg), die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, vier spezialisierte Weiterbildungsanbieter, dazu die Innungen für Metall- und Kunststofftechnik und für Sanitär-Heizung-Klima sowie das Ausbildungsförderwerk der Lehranstalt für Gartenbau und Floristik, weiterhin die Comhard GmbH als Projektleitung.

Die Vorbereitungsphase ist wichtig – und wird intensiviert

Dank gründlicher Auswahl und Vorbereitung treten unsere Teilnehmer ihre Ausbildungen besser orientiert und mit klarerer Motivation an als bei typischen Umschulungsmaßnahmen. Sie wissen genauer, was von ihnen verlangt wird, aber auch, welche Chance sich ihnen bietet.

Allerdings sind weitere Verbesserungen möglich – zusätzliche Elemente zum Ausloten der Motivation während der Auswahlphase zum Beispiel. Außerdem sollen die Teilnehmer in Zukunft bereits in der Vorbereitungsphase verstärkt Einblick in die Praxis des gewählten Berufs und die Ausbildung erhalten und sich schon früh im Orientierungsprozess praktisch erproben können. Beim Nachfolgeprogramm EGA II, das seit April 2014 läuft, haben wir diese Erkenntnisse umgesetzt.

Coaching und Nachhilfe als Stabilisierungsanker

Die Coaches spielen eine wichtige Rolle, um Abbrüche zu vermeiden. Außerdem helfen sie, die Schwierigkeiten vieler Teilnehmer bei der Integration in den Ausbildungsbetrieb zu überbrücken – oft ein kritischer Punkt zu Beginn der dualen Phase.

Individuelle Problemlagen sind den Coaches schon zu Beginn der Ausbildung bekannt, da diese persönliche Unterstützung schon mit der Vorbereitungsphase beginnt. Allerdings kann das Coaching nicht in jedem Fall während der drei Vorbereitungsmonate Schwierigkeiten in vollem Umfang erkennen. Diese sitzen oft tief und sind sehr verfestigt. Bestimmte persönliche Probleme werden dem Coach oft erst nach einem längeren Vertrauensaufbau zugänglich, einige sind nur auf therapeutischer Ebene lösbar. Auch deshalb lässt sich die Abbruchquote nicht einfach auf null reduzieren.

Dennoch: Die Möglichkeit, im Einzelcoaching Persönliches anzusprechen, konkrete Alltagshilfen zu geben und Konfliktsituationen zu entschärfen, hat zur Stabilisierung vieler Teilnehmer entscheidend beigetragen. Das ist ein klarer Erfolg.

Neben den Coachings erhalten die Teilnehmer Angebote zur fachlichen Nachhilfe, um gezielt individuelle Wissensdefizite zu kompensieren. Von besonderer Bedeutung sind begleitende Deutschkurse, da Sprachkenntnisse eine entscheidende Voraussetzung darstellen. Weitere Nachhilfethemen sind berufsbezogene Fächer wie Mathematik, Zehnfingersystem, Pflanzenkunde, Recht, Rechnungswesen, Wirtschafts- und Steuerlehre sowie Finanzbuchhaltung.

Die Ausbildungsbetriebe sind dabei

Die Akquise von Ausbildungsbetrieben für die fachpraktischen, d. h. betrieblich durchgeführten Bestandteile verlief erfolgreich. Alle Teilnehmer fanden zu einem Betrieb, einige von ihnen in Eigenregie – diese Eigeninitiative hat für uns einen wichtigen Stellenwert. Dass die Unternehmen an EGA interessiert sind, sehen wir durchaus als ersten Arbeitsmarkterfolg für das Konzept, auch wenn natürlich die Integrationsquote nach Abschluss der Ausbildungen das entscheidende Kriterium sein wird.

Zur erfolgreichen Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben tragen die Coaches viel bei. Für die Betriebe ist es wichtig, sie einschalten zu können, sobald personenbezogene Probleme auftreten.

Fazit

Ein weiteres Ergebnis: EGA ist viel Arbeit. Die individuelle Vorbereitung und Betreuung für alle Teilnehmer zu garantieren , die Auswahl und den Übergang in die jeweilige Ausbildungsstätte zu ermöglichen, Austausch und Koordination zwischen den Beteiligten aufrechtzuerhalten, all das erfordert viel Organisation und Koordination, oft in sehr kurzer Zeit. Aber die Mühe lohnt sich. Das steht nach dem ersten Jahr EGA fest.